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Hauptbahnhof Wien: Rückblick - Status - Ausblick
Die Realisierung des Projektes Hauptbahnhof Wien schreitet zügig voran. Alle drei Umweltverträglichkeitsprüfungen konnten im Frühjahr dieses Jahres positiv erledigt werden. Die Planungsarbeiten für die Genehmigungen sind soweit abgeschlossen. Die Bauphase für die Verkehrsstation startet 2010.
Seit mittlerweile sechs Jahren laufen die Vorbereitungen, Planungen und Vorarbeiten für dieses große Infrastrukturprojekt. Jetzt - am Punkt des Überganges von der Planungsphase in die Bauphase - ist es Zeit für einen Zwischenbericht:
Was bisher geschah - ein kurzer Rückblick
Im Rahmen der ÖBB-Bahnhofsoffensive gab der damalige Vorstand 2003 den Auftrag, die Voraussetzungen für die Errichtung eines neuen Durchgangsbahnhofes zu schaffen. Noch im gleichen Jahr unterzeichneten Bund, Stadt Wien und ÖBB einen „Letter of Intent“, in dem sie beschlossen das Projekt Durchgangsbahnhof „Bahnhof Wien" gemeinsam zu realisieren und die nicht betriebsnotwendigen Liegenschaften „Stadtteil Wien Südbahnhof " einer städtebaulichen Nutzung zuzuführen. Im Jahr darauf lief die Auslobung eines zweistufigen, internationalen Expertenverfahrens für den Masterplan „Stadtteil Wien Südbahnhof". Die Entwürfe der beiden Architektenteams Albert Wimmer und Theo Hotz/ Ernst Hoffmann wurden zu einem Masterplan weiterentwickelt, der im Dezember 2004 einstimmig im Wiener Gemeinderat beschlossen wurde. Mit den Einreichplanungen für die Umweltverträglichkeitsprüfungen und Umweltuntersuchungen wurde 2006 begonnen.
In den Jahren 2004 bis 2007 hat sich das Projekt massiv weiterentwickelt, der Projektumfang hat sich entscheidend vergrößert: Aus den ursprünglichen Plänen für einen einfachen Bahnhof entstand eine Verkehrsstation mit zwei Untergeschoßen inkl. Garage und einem Einkaufszentrum nach internationalem Standard. Die Anlagen im Projekt Standortkonzentration Matzleinsdorf wurden betrieblich so optimiert, dass der größte betriebswirtschaftliche Nutzen daraus gezogen werden kann. Dadurch entstanden vermehrt freie Flächen, die wiederum den Umfang der Immobilenverwertung steigerten. Bis zum Investitionsbeschluss durch den ÖBB-Vorstand und Aufsichtsrat im April 2007 waren alle Interessenslagen der Projektpartner soweit berücksichtigt. Die UVP-Erklärungen für die drei gesonderten Umweltverträglichkeitsprüfungen für Bahn-Infrastruktur, Städtebau und Straßenbau wurden im Herbst 2007 bzw. im Frühjahr 2008 bei den Behörden eingereicht. Im Frühjahr 2009 waren alle drei Prüfungen abgeschlossen.
Die Entwicklung des Bahn-Infrastrukturprojektes
Im Rahmen des Bahn-Infrastrukturprojektes werden auf einer Fläche von etwa 50 ha und einer Gesamtlänge von etwa 6 km zwischen dem Bahnhof Wien Meidling und der Gudrunstraße/Querung A23 die Gleisanlagen einschließlich des Unterbaus und der Kunstbauten (Brücken, Stützwände usw.) erneuert bzw. neu errichtet. Insgesamt werden ca. 100 km Gleise neu verlegt, 300 Weichen versetzt und ca. 30.000 m² Brücken neu erbaut.
Im Bereich Gudrunstraße wird eine neue Anlage für Autos im Reisezug geschaffen. Das Herzstück des Bahn-Infrastrukturprojektes ist die rund 180 m lange und 180 m breite Verkehrsstation inklusive Aufnahmegebäude mit barrierefreien Zugängen zu den Bahnsteigen.
Das Bahn-Infrastrukturprojekt erhielt im September 2008 einen positiven UVP Bescheid und die eisenbahnrechtliche Baugenehmigung und damit den behördlichen Startschuss für den Bau des Hauptbahnhofes Wien. Seit Beginn des heurigen Jahres laufen die Vorarbeiten auf Hochtouren. Im Juni wurde gleich auf mehreren Baustellen die Arbeit aufgenommen: Das bestehende, 42 m breite Eisenbahntragwerk im Bereich Triester Straße wird saniert und im Süden um zwei Brückentragwerke von insgesamt rund 16 m Breite erweitert. 4500 m³ Beton und 500.000 kg Stahl werden verarbeitet, damit die Bahnstrecke zum künftigen Hauptbahnhof an der Stelle breit genug ist für zwei zusätzliche Gleise. Weiters wurde mit der Errichtung des provisorischen Ostbahnhofes an der Arsenalstraße Höhe Schweizer-Garten-Straße begonnen und im Schweizergarten werden seit Juli provisorische Aufgänge für die S-Bahnstation Südbahnhof gebaut. Parallel dazu laufen der Abtrag der Gleisanlagen am Frachtenbahnhof und die Herstellung eines provisorischen Verbindungsgleises durch die gesamte Baustelle. Bis Ende des Jahres wird außerdem noch eine provisorische Autorreisezuganlage im Bereich Triester Straße errichtet.
Der große Baustart für die Verkehrsstation erfolgt Ende 2009. In den ersten Monaten werden die Massenlogistikflächen und sämtliche andere Baustelleneinrichtungen hergestellt. 2010 werden Aushubarbeiten vorgenommen, um die Fundamente errichten zu können. Die ersten Gebäude wachsen dann ab 2011 empor. Im Dezember 2012 erfolgt die Teilinbetriebnahme der Verkehrsstation. Das bedeutet, dass der Hauptbahnhof Wien erstmals im Fahrplan der ÖBB aufscheint und die ersten Züge durch den Bahnhof fahren. Zu diesem Zeitpunkt sind vier Gleise mit Bahnsteigkanten und ein Durchgangsgleis in Betrieb. Die Fertigstellung für das gesamte Bahn-Infrastrukturprojekt ist für 2015 geplant.
Die Entwicklung des Immobilienprojektes
Das Stadtentwicklungsgebiet zwischen Wiedner Gürtel im Norden, Arsenalstraße im Osten und Sonnwendgasse/Gudrunstraße im Süden und Westen umfasst eine Fläche von etwa 59 ha. Im Süden des Areals ist vor allem ein Wohnviertel rund um einen etwa 8 ha großen Park vorgesehen. Insgesamt entstehen 5.000 Wohnungen für etwa 13.000 Menschen und Büros auf 550.000 m² Fläche. Für die soziale Infrastruktur sorgt ein Schulcampus mit Kindergarten. Der Wohnpark wird von Bürogebäuden und Gewerbebetrieben zur Ostbahn hin abgeschirmt. Im Mai 2009 wurde in der Stadtbaukommission eine neue, leicht überarbeitete Masterplanversion des Entwicklungsgebietes beschlossen. Im Wesentlichen wurden die maximalen Gebäudehöhen der Baufelder A.01 und B.01 auf 88 m adaptiert und die beiden Schulbauplätze zu Gunsten eines neuen Schulcampuskonzeptes geändert.
Insgesamt werden etwa 40 % der Gesamtflächen an die Stadt Wien für die technische und soziale Infrastruktur übergeben. 35 ha, die restlichen 60 %, werden von der ÖBB-Immobilienmanagement GmbH verwertet. Für einige Baufelder gibt es bereits konkrete Pläne. Südlich des Bahnhofsgebäudes entsteht die neue ÖBB-Konzernzentrale für 1.600 Mitarbeiter. Der Architekturwettbewerb zu diesem Objekt ist im Laufen und soll im Herbst 2009 abgeschlossen sein. Fertigstellung inkl. Besiedelung ist für Sommer 2014 geplant. Die Baufelder an der Ecke Wiedner Gürtel - Arsenalstraße wurden im Sommer 2007 an die IMMORENT AG verkauft, die hier die neue Zentrale der Erste Group errichtet.
Südlich davon hat der Bauträger Seeste Flächen erworben, um Büro- und Wohngebäude zu bauen. Unmittelbar am Park wurden an den wohnfonds_wien Grundstücke für 1.400 geförderte Wohnungen verkauft. Der geplante Verwertungs-Gesamterlös beträgt bei einer prognostizierten Bruttogeschoßfläche von ca. 1,1 Mio. m² rund 250 Mio. Euro. 40 % der geplanten Verkaufserlöse sind bereits erzielt. Etwa die Hälfte davon wird für Freimachungen, Liegenschaftsentwicklung und -verwertung aufgewendet. Die Baufelder im Areal InterCity stehen zum Verkauf. Verhandlungen mit Interessenten laufen bereits, sie sollen bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Für weitere Bauflächen wie z.B. das Areal A.01 ist man bemüht, Partner zu finden, die einen Mix aus Büro, Gewerbe, Kultur und Wohnen ermöglichen.
Ein weiterer Tätigkeitsbereich der ÖBB-Immobilienmanagement Gmbh ist die Freimachung des Geländes. Von Oktober 2008 bis Juli 2009 wurde der 41.000 m² große, ungenutzte Postkomplex abgetragen. Dreiviertel der 100.000 m³ Abbruchmassen konnten direkt vor Ort wieder eingesetzt werden, der Rest wurde zur Wiederverwertung abtransportiert. Derzeit wird noch am Frachtenbahnhof gearbeitet. Ende des Jahres steht mit dem Abtrag des Südbahnhofes ein großer Meilenstein im Projekt bevor.
Provisorien und Umleitungsverkehre ab 13. Dezember
Um das Gelände des Südbahnhofes für die Bauarbeiten freimachen zu können, wird der Südbahnhof gesperrt und eine Reihe an Provisorien und Umleitungsverkehren treten in Kraft. Mit Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009 schließt er endgültig seine Tore und der Bahnhof Wien Meidling übernimmt die Funktion des Südbahnhofs und des Fernverkehr-Ostbahnhofs. Dann werden Nahverkehrszüge, die bisher am Südbahnhof endeten, wie etwa von Deutschkreutz kommend, in Wien Meidling enden. Von der Nordbahn kommende Züge (Prag, Warschau) werden teils über die S-Bahn-Stammstrecke, über Wien Meidling bis Villach durchgebunden, teils enden sie in Wien Meidling.
Für den Regionalverkehr, der bisher am Ostbahnhof abgewickelt wurde, wird auf Höhe Schweizer-Garten-Straße ab Ende Juni ein Provisorium „Ostbahnhof“ errichtet. Die Gleise der Ostbahn werden dazu um etwa 150 Meter verkürzt. Dieses Provisorium bietet die übliche Bahnhofs-Infrastruktur sowie Kurzparkplätze, Taxistellplätze, Fahrradabstellplätze und eine Bushaltestelle für den 69A am Vorplatz. Die internationalen Fernverkehrszüge werden zum Bahnhof Wien Meidling und teilweise zum Wiener Westbahnhof geführt. Das Provisorium und der Umleitungsverkehr bleiben von Dezember 2009 bis zur Teilinbetriebnahme des Hauptbahnhofes im Dezember 2012 bestehen. Der Betrieb der S-Bahn-Stammstrecke ist durch den Bau nicht beeinträchtigt. Die S-Bahn-Station Südbahnhof bleibt während der Errichtung des Hauptbahnhofes in Betrieb und erhält dazu neue, provisorische Aufgänge mit Stiegenaufgang und Liften in den Schweizergarten.
Öffentliche Anbindung des neuen Hauptbahnhofes
Der künftige Hauptbahnhof wird mit der U1 und den S-Bahnlinien (S1, S2, S3, S5, S6, S8, S9, S 15, S60, S70, S80) an zwei hochrangige Verkehrsmittel angebunden sein. Das Gebäude des neuen Bahnhofes rückt vom heutigen Standort des Südbahnhofes in Richtung Südtiroler Platz. Daraus ergibt sich, dass die Entfernung der U-Bahn zu den Bahnsteigen etwa jener am Westbahnhof entsprechen wird. Die Anbindung an die S-Bahn-Stammstrecke (West-Ostachse) erfolgt auch direkt am Südtiroler Platz. Der neue Bahnhof ist weiters mit den Straßenbahnlinien 18, 0, D, mit den städtischen Bussen 13A und 69A sowie mit regionalen Bussen erreichbar.
Eine neue Passage wird den Hauptbahnhof direkt mit der S-Bahn, der unterirdischen Straßenbahnhaltestelle Linie 18 und der U1-Station verbinden. Alle Zugänge werden barrierefrei gestaltet. Durch die Verlängerung der U2 Richtung Süden soll langfristig der neue Stadtteil südlich des Bahnhofes an das U-Bahn-Netz angebunden werden. Der Hauptvorschlag zur Trassenvariante sieht eine Linienführung vom Karlsplatz über Rennweg - St. Marx/Eurogate - Arsenal in den südlichen Bereich des neuen Stadtentwicklungsgebietes beim Hauptbahnhof vor.
Option Automated People Mover (APM)
Am 17. Juni 2009 haben das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie, die Stadt Wien, die ÖBB und die IMMORENT AG eine Vereinbarung unterzeichnet, die weiteren Untersuchungen und eine Evaluierung der Kosten dieses alternativen Transportmittels voranzutreiben. Die genauen Trassen- und sonstigen Planungen werden im Rahmen dieser Untersuchungen durchgeführt, die bis Ende des Jahres vorliegen sollen. Anhand der Ergebnisse wird entschieden ob der APM umsetzbar ist. Primärer Grund für eine Realisierung wäre, die Bürogebäude für 4.000-6.000 Beschäftigte nördlich der Verkehrsstation an die U1 anzubinden. In einer zweiten Stufe könnte der APM zur künftigen U2-Station im südlichen Stadtentwicklungsgebiet verlängert werden.
ÖBB: Österreichs größter Mobilitätsdienstleister
Als umfassender Mobilitätsdienstleister sorgt der ÖBB-Konzern österreichweit für die umweltfreundliche Beförderung von Personen und Gütern. Mit rund 42.000 MitarbeiterInnen und Gesamterträgen von 5,8 Mrd. EUR ist der ÖBB-Konzern ein wirtschaftlicher Impulsgeber des Landes. Im Jahr 2008 wurden von den ÖBB 456 Mio. Fahrgäste und 98,5 Mio. Tonnen Güter transportiert. Strategische Leitgesellschaft des Konzerns ist die ÖBB-Holding AG.
Rückfragehinweis:
ÖBB-Holding AG
Mag. Alexandra Kastner
Konzernkommunikation
Telefon: +43 1 93000 33617
E-Mail: alexandra.kastner@oebb.at


